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 Private Krankenversicherung

Sozialrecht Rente und AltersvorsorgeAnonymous schreibt "Fragen an Herrn Dr. Michael Giese, Leiter Marketing der Allianz Privaten Krankenversicherung

1.Die Bundesbürger rechnen sich ihre gesetzliche Rente immer noch "schön" und erwarten deutlich mehr Geld, als sie später tatsächlich bekommen werden. Sie sorgen deshalb nicht ausreichend vor. Bei der Pflege ist es noch extremer: nur 11,7 Prozent verfügen über eine private Zusatzversicherung. Warum wer-den die Risiken des Alters immer noch so eklatant unterschätzt?

Antwort: Derzeit werden die Risiken tatsächlich noch deutlich unterschätzt. Allerdings wird das Thema Pflege künftig viel stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit treten und damit auch die Debatte um die Probleme, die damit auf die Gesellschaft zukommen. Der Grund ist einfach: Die Eltern der geburtenstarken Jahrgänge kommen allmählich in ein Alter, in dem sie eventuell gepflegt werden müssen. Erst wenn das Thema in der eigenen Familie "angekommen" ist, entsteht ein Problembewusstsein. Viele werden sich dann auch über die eigene Vorsorge Gedanken machen. Das sollte aber möglichst nicht zu spät geschehen.

2.Optimistisch sind die Deutschen eine aktuellen GfK-Umfrage zufolge auch, was die eigene Pflege betrifft. 70 Prozent gehen davon aus, dass sie von ihren eigenen Angehörigen betreut werden. Tatsächlich dürfte die Pflegebereitschaft aber stark abnehmen: Familien werden kleiner, leben weit voneinander entfernt, die Kinder sind beruflich gebunden. Woher rührt dieses Vertrauen in die Angehörigen, das durch die gesellschaftliche Realität überhaupt nicht mehr gedeckt ist?

Antwort: Ja, die Ergebnisse der Umfrage und der Optimismus der Menschen haben mich auch überrascht. Da ist noch ein großes Stück Sozialromantik in unserer Gesellschaft vorhanden. Diese "Romantik" ist leider tatsächlich durch die Realität schon längst nicht mehr gedeckt. Wenn die Generation der "Baby-Boomer" aufgrund der Erfahrungen mit den eigenen Eltern über das Thema Pflege verstärkt nachdenkt, wird sie erkennen, dass man sich dabei nicht mehr auf die Familie verlassen kann, sondern aktiv vorsorgen muss.


3. Was kann die Politik Ihrer Ansicht nach tun, um das Bewusstsein der Menschen für die Risiken des Alters zu schärfen und eine stärkere Vorsorgementalität zu schaffen?

Antwort: Die Einführung der gesetzlichen Pflege-Pflichtversicherung war eine sehr gute Idee. Nur sieht man heute bereits, dass diese Versicherung finanziell an ihre Leistungsgrenzen stößt. Wie bei der Rente muss den Bürgern auch bei der Pflege klar gemacht werden: Der Staat kann in Grenzen helfen, aber Eigenverantwortung ist unerlässlich.


4. Die Zahl der Pflegebedürftigen wird dramatisch steigen und die gesetzliche Pflegeversicherung schon bald an ihre finanziellen Grenzen kommen. Dieses Defizit muss ausgeglichen werden. Werden die Beiträge zur gesetzlichen Pflegeversicherung in zehn Jahren deshalb drastisch gestiegen sein oder werden die Leistungen zusammengestrichen?

Antwort: Die Leistungen werden kaum eingeschränkt werden können, denn der Staat ist seinen pflegebedürftigen Bürgern ja eine menschenwürdige Versorgung schuldig. Von daher erwarte ich eher, dass die Beiträge steigen werden. Von der Versicherungssystematik her wäre natürlich auch bei der Pflegeversicherung die Umstellung auf die kapitalgedeckte Versicherung wünschenswert. Das wäre die ehrliche und zukunftsfähige Lösung. Kurz- und mittelfristig wird es aber dazu aufgrund der politischen Rahmenbedingungen nicht kommen.


5. Je jünger man ist, desto günstiger ist eine Pflegezusatzversicherung. Wann sollte man am besten anfangen, für die Pflege privat vorzusorgen?

Antwort: Der Einstieg in eine private Pflegezusatzversicherung sollte möglichst früh erfolgen. Das hat zwei Gründe: Zum einen weiß man natürlich nicht, ob und wann der Pflegefall eintritt. Je älter man ist, desto höher sind zwar die gesundheitlichen Risiken und damit auch die Gefahren, pflegebedürftig zu werden. Aber: Auch ein 30-jähriger ist vor einem Schlaganfall nicht gefeit. Der Hauptgrund für den frühen Abschluss einer Pflegezusatzversicherung aber ist, dass die Prämien deutlich geringer sind und dass die Aufnahme in die private Pflegezusatzversicherung viel einfacher ist als später, wenn schon die eine oder andere gesundheitliche Beeinträchtigung vorhanden ist. Die Unterschiede bei den Prämien sind markant: Wer als 20-jähriger Mann einen Tagessatz von 50 Euro absichern will, muss eine monatliche Prämie von nur 4,85 Euro aufbringen. Der Dreißigjährige muss für diesen Tagessatz schon eine Prämie von 9,10 Euro aufwenden, der Vierzigjährige bereits 16,05 Euro. Entschließt sich der Mann erst mit 50 Jahren für eine private Pflegezusatzversicherung, werden 27,55 Euro pro Monat fällig!


6. Was muss man beim Abschluss einer privaten Pflegezusatzversicherung beachten, um im Alter auf der "sicheren Seite" zu sein?

Antwort: Der versicherte Tagessatz in der Pflegezusatzversicherung wird je nach Pflegestufe prozentual abgestuft gezahlt. Man sollte darauf achten, dass auch die unteren Pflegestufen I und II stets abgesichert sind und nicht nur die Schwerstpflege-Stufe III. Grund: Die medizinischen Dienste sind bei der Einstufung eines Pflegebedürftigen in die Pflegestufe III zu-rückhaltender, als die meisten Bürger vermuten. Tendenziell dürfte es künftig noch schwerer werden, die höchste Stufe zu erhalten.


7. Die private Pflegezusatzversicherung "konkurriert" mit anderen Formen der Altersvorsorge. Gibt es da eine Faustregel, wie viel Prozent des Nettoeinkommens für die allgemeine Altersvorsorge und wie viel Prozent für die private Pflegezusatzversicherung zurückgelegt werden sollten?

Antwort: Ich glaube nicht, dass die Pflegezusatzversicherung mit der Altersvorsorge "konkurriert", weil die Pflegezusatzversicherung eine Bedarfsversicherung ist. Es gibt keine generelle Faustregel, wie viel man zurücklegen sollte für die Vorsorge. Das hängt doch zu sehr von der individuellen Situation jedes Einzelnen ab.

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